Heribert, 58 Jahre, Frührentner und vormals Autolackierer aus Bochum, schreibt:
Ich bin seit Langem geschieden und lebe alleine. Das stimmt nicht so ganz, denn ich habe schon lange eine Lebenspartnerin, eine Gummipuppe, die mir liebgewonnen ist. Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich, wie ich meine Puppe, ich nenne sie „Püppi“, als Partnerin ansehen kann. Sie ist für mich wie eine Person, die mit mir am Esstisch sitzt und morgens mit mir aufwacht. Ich bin also nie alleine und ich habe mich so sehr an sie gewöhnt, und das macht mein Rentnerdasein sehr einfach. Denkt, was ihr wollt, aber so ist es eben für mich. Andere Menschen haben Hunde oder Katzen oder einen Wellensittich, ich habe Püppi. Eine lebendige Frau zu suchen, ist aus verschiedenen Gründen für mich nicht möglich. Püppi ist auch nicht immer nackt, ich ziehe sie nett an, und so sitzen wir auch abends beim Glotze gucken zusammen. Wenn ich oder wir so durch die Sender zappen, sehe ich noch viel schrägere Typen als mich im Fernseher. Also, so ein schlimmer Heini bin ich nun doch nicht. Vor einiger Zeit wollte ich mit Püppi einmal raus ins Leben und wollte ein Restaurant besuchen. Ich also rein in das Restaurant und habe mich an einen Tisch gesetzt. Püppi war ordentlich gekleidet, wie alle Leute in dem Laden. Da kam der Kellner und meinte, mit so etwas wie einer Gummipuppe dürfte ich hier nicht sitzen. Ist das gerecht? Darf ich nicht mit einem sogenannten Spielzeug in ein Restaurant? Ich verlangte, den Chef zu sprechen. Der lächelt zwar, aber leider musste ich gehen. Kann ich mich mit Püppi in der Öffentlichkeit nicht zeigen? Was sagt ihr?
Lieber Heribert,
bedauerlicherweise müssen wir dir sagen, dass der Restaurantchef sein Hausrecht ausüben darf. Wenn er der Meinung ist, dass dein Auftritt mit Püppi die übrigen Gäste in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigen würde, kann er deinen Aufenthalt in seinem Restaurant unterbinden. Er darf steuern, wen er hereinlässt, aber nicht willkürlich oder diskriminierend. Sachliche Gründe wären Überfüllung, Sicherheitsrisiko oder Dresscode. Da Püppi korrekt gekleidet war, kann man über den Dresscode diskutieren. Wir müssen zugeben, dass ein Fall wie bei euch in der Rechtsprechung noch nicht vorgekommen ist. Was uns in den Sinn kommt, ist, dass der Restaurantinhaber, so freundlich er auch war, bemängelte, dass Püppi nichts verzehrt. Da würden wir ihm in deinem Fall recht geben, so nehmen wir an. Es ist schwierig zu urteilen, weil du in friedlicher Absicht mit deiner Partnerin einen Restaurantbesuch erleben wolltest.
Katrin, 32 Jahre, Steuerberaterin aus Travemünde, schreibt:
So, jetzt oute ich mich bei Euch. Ich bin eine Lesbe und das auch gerne. Wie bei allen Menschen in meinem Alter, habe ich mich verliebt in eine sagenhafte Frau, die auch lesbisch ist. Es passt alles zusammen. Ob wir Sex haben oder spazieren gehen an der Ostsee oder zusammen kochen, es ist alles wunderbar. Ich, oder wir, sind glücklich, dass das sogenannte Schicksal uns zusammengeführt hat. Ein wichtiger Punkt unterscheidet uns allerdings. Meine Partnerin ist ein Hermaphrodit, sie hat einen Schwanz und eine Muschi. Sie hat sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale und hoffentlich besitzt sie auch beide Keimzellen. Da kommt bei mir der Wunsch zur Familiengründung auf. Ich würde gerne ein Kind von meiner Partnerin bekommen. Ist das möglich? Kann ich mir oder können wir uns Hoffnung machen?
Liebe Katrin,Wenn sich intergeschlechtliche Menschen überhaupt fortpflanzen können, dann nur in einer männlichen oder weiblichen Rolle. Auch Intersexuelle können einen Kinderwunsch haben und ihn auch verwirklichen. Es ist ein Missverständnis, dass intersexuelle Menschen unfruchtbar sind und keine Kinder bekommen können. In Eurem Fall würden wir einen Arztbesuch empfehlen, um Klarheit über die Qualität des Spermienauswurfs Deiner geliebten Freundin zu bekommen. Die Medizin ist heute sehr fortschrittlich, aber trotzdem hat man manchen Männern eine Unfruchtbarkeit bescheinigt, obwohl bei einer zweiten Untersuchung der Spermien das Gegenteil diagnostiziert wurde. Also nicht aufgeben, wenn etwas gegen Eure Wünsche behauptet wird. Ein Arzt kann sich irren, deswegen immer eine zweite oder dritte Diagnose erstellen lassen.
Es wäre doch ein unsagbares Glück für Euch beide, wenn Euer Lebensweg mit einem Kind gekrönt werden würde. Wir wünschen Euch viel Glück an der Ostsee.