Hinter den Kulissen: Wie Frauen mit getragener Unterwäsche Geld verdienen.
Untertitel: „Viele wollen nicht nur meinen Slip, sie wollen den Moment dahinter“
Mein Name ist Kathleen und ich bin die Inhaberin von FrauKruner.de. Auf meiner Plattform aus Berlin bieten Frauen ihre getragene Unterwäsche und viele weitere duftende Produkte an. Was bei mir entsteht, ist nichts von der Stange. Es sind persönliche Stücke, getragen, individuell, mit einer Geschichte dahinter.
Für dieses Interview habe ich mit einer meiner Verkäuferinnen gesprochen. Da alle Frauen bei mir privat bleiben, wurde ihr Name geändert. Die Inhalte basieren auf ihrer Erfahrungen, ehrlich und ungefiltert.
Verkäuferin: Nadja, 31
Seit 4 Jahren Teil von Frau Kruner.
Wie bist du in das Thema „getragene Unterwäsche“ reingerutscht?
Ich war schon immer ein sehr offener Mensch, und je älter man wird, desto mehr verändert sich ja auch der Blick auf die eigene Sexualität. Man probiert sich aus, sammelt Erfahrungen, wird neugieriger und, ehrlich gesagt, auch ein bisschen gieriger nach neuen Erlebnissen.
Dass ich dann auf das Thema gestoßen bin, war eigentlich total ungeplant. Ein Bekannter hat mir irgendwann davon erzählt, ganz nebenbei. Seine Freundin hat das gemacht. Ich hab ihm zugehört und innerlich hat es einfach direkt Klick gemacht.
Ich wusste sofort, dass ich das auch will.
Weißt du noch, wie sich dein erster Verkauf angefühlt hat?
Sehr intensiv und aufregend. Damit hätte ich nicht gerechnet. Das ist so ein Gefühl, das man schwer in Worte packen kann. Es ist nicht einfach nur erregend, es ist mehr dieses Spiel mit dem Verbotenen, dem Fremden, dem Anderssein.
Mich reizt alles, was aus dem Alltag rausbricht. Dinge, die man nicht „einfach so“ macht.
Es ist wie so ein stilles Kribbeln im Hintergrund, ein leicht dreckiger Gedanke, mit einem Lächeln im Gesicht, weil es so anders ist.
Es war ja „nur“ ein Slip – aber gleichzeitig auch überhaupt nicht „nur“. Ich wusste, wie privat das eigentlich ist. Dass etwas, das ich so nah an mir getragen habe, später bei einem komplett fremden Menschen landet. Und dann das Wissen, dass ein Fremder mich selbst in der Hand hält, „mich“ anschaut, probiert und es sich gemütlich macht, ist unglaublich.
Welche Art Produkt ist bei dir gefragt?
Am meisten verkaufe ich getragene Unterwäsche und derzeit gebrauchte Sextoys. Ein benutztes Kondom war auch ab und an dabei. Dies hat mein Partner mit mir veredelt. Ich bin da eher die Langweiligere unter den Verkäuferinnen. Mittlerweile gibt’s ja nichts, was nicht verkauft wird. Hab ich gesehen * lacht. *
Wie schmeckst du?
Gute Frage *lacht* laut meines Partners und der Rückmeldungen, die ich im Laufe der Zeit erhalten habe, bin ich im guten Mittelfeld. Nicht zu leichtflüchtig und nicht zu stark. Ein süßlicher, femininer Duft mit einem leicht erotischen Abgang. Aus dem Kontakt mit anderen Verkäuferinnen weiß ich, dass es sehr intensive Düfte gibt. Es gibt Damen, die riechen schon ab dem 2. Tragetag höchst intensiv, herb, etwas rauer, aphrodisierend.
Was suchen Männer deiner Erfahrung nach wirklich?
Viele denken immer, es geht nur um diesen kurzen Kick. Riechen, Orgasmus, fertig. Klar auch, aber oft ist das zu einfach gedacht.
Dieses kleine Stück Stoff ist für viele eben mehr als nur schnelle Erleichterung. Da steckt Nähe drin. Fantasie. Dinge, die im echten Leben vielleicht gar nicht so einfach umzusetzen sind. Nicht jeder hat ständig Zugang zu Sexualität oder lebt in einer Situation, in der er das so ausleben kann, wie er es sich eigentlich wünschen würde.
Ich bekomme oft Rückmeldungen von Kunden, die einfach froh sind, überhaupt einen Zugang zu Intimität zu haben. Und getragene Unterwäsche ist da nochmal was ganz Eigenes. Es ist sehr nah und intim, aber es ist keine Affäre, die evtl. ein ganzes Leben durcheinanderbringt. Es ist diskret und leise und genau dann da, wenn man es braucht. Für viele ist das ein guter Mittelweg. Nähe ohne Verpflichtungen.
Gerade Männer, die allein sind, unglücklich vergeben oder eher schüchtern, sind meine Kunden.
Und genau da kommt sowas ins Spiel. Es ist auf eine gewisse Art auch Geborgenheit. Sicherheit. Etwas, das nur für einen selbst ist.
Und dieses Gefühl, von dem ich vorhin gesprochen habe, schwingt immer mit. Dieses kleine Spiel mit dem Verbotenen, mit der Fremden. Mit dem Anderssein. Das ist für Männer genauso reizend, wie für mich. Viele wollen nicht nur meinen Slip, sie wollen den Moment dahinter.
Wie körperlich ist deine Arbeit wirklich?
Mehr, als man denkt, aber anders, als man denkt. Frauen unterliegen dem natürlichen Zyklus und eine Planung ist hier absolut wichtig. Nicht alles kann jederzeit hergestellt werden.
Auch muss mein Shop immer aktuell sein, was auch körperlich ist. Denn die Produkte müssen erst erstellt werden. Dazu brauche ich meinen Körper, die Unterwäsche, Lust und Licht.
Ich fotografiere sehr gerne. Mich reizt Ästhetik, die man mit Bildern einfangen kann. Vor allem das Spiel mit Licht und Schatten, siehe Fotos von mir. Und die sind nur mit einem Handy gemacht. So leicht, wie es oft wirkt, ist es gar nicht. Ein gutes Bild entsteht manchmal erst nach Stunden, bis das Licht passt, die Stimmung stimmt und es sich einfach richtig anfühlt. Man muss in diesem Business ein sehr gutes Körpergefühl haben.
Liebe Nadja, möchtest du den Lesern der Happy-Weekend noch etwas mit auf den Weg geben?
Seid neugierig! Hört auf euch selbst, auf eure Wünsche. Auch auf die, über die man vielleicht nicht sofort spricht. Ich glaube, viele Menschen tragen mehr in sich, als sie sich erlauben auszuleben. Dafür ist das Leben zu kurz. Manchmal reicht schon ein kleiner Schritt raus aus dem Gewohnten, um sich selbst ganz neu kennenzulernen.
…und bleibt so geil, wie ihr seid. 😉
Das Interview mit Nadja zeigt, dass es um mehr geht, als nur um ein schnelles Produkt. Es geht um Fantasie, um Nähe und um diese besondere Spannung zwischen Alltag und dem, was man sich eigentlich insgeheim wünscht. Ein gutes Körpergefühl ist die Voraussetzung, um qualitativ getragene Unterwäsche herzustellen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses Thema so viele fasziniert. Weil es nicht laut ist, nicht offensichtlich, sondern eher leise, persönlich und irgendwo auch ein kleines Stück verboten.
Und genau darin liegt am Ende der Reiz.
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